Hanse und Nowgorod

Die Hanse war der strategische Handelspartner des mittelalterlichen Nowgorods. Sie verband die sich unter der Führung Lübecks befindlichen Stämme vom 14. bis zum 16. Jahrhundert.
Die Hanse wurde zur Verwirklichung eines sicheren Handels gegründet. Sie war der wichtigste Vermittler zwischen Ost-, Nord-, West- und teilweise Zentraleuropa.

Die Geschichte der Hanse kann in zwei Perioden unterteilt werden:

- vom 11. bis zum 13. Jahrhundert existierte die "Kaufmannshanse“, ein Zusammenschluss der ersten kaufmännischen Verbände in der Stadt Visby auf der Insel Gotland;
- vom 14. bis zum 16. Jahrhundert schlossen sich die Städte Lübeck, Bremen, Hamburg etc. zur "Städtehanse" zusammen, die wiederum im Jahre 1356 in "Deutsche Hanse“ umbenannt wurde. Sie bestand aus etwa 100 Städten aus ganz Europa.

Durch den Sieg der Hanse gegen das damals sehr starke Dänemark haben viele Hansestädte zahlreiche Handelsvorzüge erhalten. Dies widerum führte zu einem Monopol der Hanse im Baltikum.
Nowgorod war während der Hanseperioden ein wichtigster Handelspartner in Osteuropa. Die Stadt exportierte unterschiedliche Waren aus Russland nach Europa. Nowgorod war genauso wichtiger Handelspunkt wie London, Brügge oder Bergen in Europa.
Die gotischen Kaufmänner hatten während des 11. und 12. Jahrhunderts ihren Sitz in Nowgorod und verfügten zudem über eine eigene Kapelle. Die Nowgoroder widerum trafen sich auf der schwedischen Insel Gotland. Die Reste der slawischen Kirche, die dank Nowgorod erbaut wurde, sind heute noch vorzufinden.
Etwas später, in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erreichten auch die Kaufmänner aus norddeutschen Städten, vor allem aus Lübeck, Nowgorod. Sie gründeten dort einen "Deutschen Hof“, der auch "Hof des Heiligen Peter" genannt worden ist. Heute befindet sich an dieser Stelle das Hotel "Rossia“. Den "Deutschen Hof“ kann man heute gegenüber der Kirche Uspenije na Torgu sehen.
Außer dem "Deutschen Hof“ gab es auch einen "Gotischen Hof" der Stadt Lübeck und Visby. All die Höfe wurden mittels Wege miteinander verbunden und erinnern an die Burgen. Innerhalb der Höfe stand eine Kirche, in welcher wichtige Versammlungen stattfanden und zahlreiche Schätze aufbewahrt wurden. Es handelte sich um zweistöckige Häuser, in denen die Kaufmänner mit ihrer Begleitung wohnten. Außerdem existierten einige Räume für den Handel, eine Brauerei, eine Banja und ein Krankenhaus. Abends wurden die Tore geschlossen und die Hunde von den Leinen gelassen. Die Nowgoroder Regierung hatte kein Recht sich in die Geschäfte der Höfen einzumischen. Im Vergleich zu anderen Hansehöfen, wie z. B. denen in London, waren die Nowgoroder Höfe am stärksten von der Stadt isoliert.
Der Handel zwischen Rus' und der Hanse fand nur über Nowgorod statt. Europa schätzte vor allem das Angebot von Pelz und Wachs. Zahlreiche westeuropäische Könige trugen Mäntel und Mützen, die aus Nowgoroder Pelz, vorwiegend aus Eichhörnchenpelz hergestellt worden sind. Die Kerzen aus russischem Wachs leuchteten in gotischen Kirchen. In den letzten Jahrzehnten der Unabhängigkeit Nowgorods und auch später noch handelten die Nowgoroder Kaufleute mit Lederwaren, vor allem mit Schuhen. Manchmal wurden auch einige Landwirtschaftswaren und Jagdvögel, wie z.B. Falken exportiert.
Die westlichen Kaufleute widerum handelten mit teuren Stoffen, besonders mit Tüchern. Außerdem wurden verschiedenste Edelsteine in Nowgorod verkauft. Die westlichen Tücher genossen eine sehr große Beliebtheit bei der Nowgoroder Aristokratie. Die bedeutendsten, zum Export geeigneten Lebensmittel waren Hering, Salz und Brot. Im Jahr 1231 brachten die deutschen Kaufleute Brot nach Nowgorod und retteten damit die Bevölkerung vom Hungertod.
Auch Weine aus Frankreich, Spanien, Griechenland und die des Rheins exportierten die Hansekaufleute. Die Deutschen stellten in Nowgorod, vor allem für den Eigenbedarf, Bier her.
Der internationale Handel war im Mittelalter sehr gefährlich. Die Kaufleute hatten mit Stürmen und Unwetter zu kämpfen. Die Hauptgefahr jedoch lag in den Räuberüberfällen. Auf Grund dessen schlossen sie sich für längere Reisen zu großen, bewaffneten Karawanen zusammen.
Die Handelsbeziehungen zwischen den deutschen Kaufleuten und Nowgorod wurden durch spezielle Verträge und Satzungen reguliert. Eine besonders wichtige Rolle spielte dabei der Artikel über die Gewährung eines sauberen Weges nach Nowgorod. Auch die Nowgoroder ließen sich die Sicherheit des Weges durch das Baltikum nach Europa unterzeichnen. Außerdem musste die Durchfahrt fremder Territorien durch verschiedene Artikel gewährleistet werden. Auch die Strafe bei einer Verletzung des Kaufmannes wurde schriftlich festgehalten.

Nachfolgend werden einige charakteristische Merkmale des Handels zwischen Russland und der Hanse aufgeführt:

- es handelte sich um einen Großhandel;
- es wurde kein Geld benutzt, vielmehr wurden Waren ausgetauscht;
- der Handel fand nicht auf dem Markt, sondern in den Hansehöfen und in den Höfen der Nowgoroder statt, in denen die Kaufleute die Waren austauschten und Verträge abschlossen.

Laut der Satzungen des "Deutschen Hofes" wurde es den Hansekaufleuten unter großer Geldstrafe oder dem Verlust der Handelsrechte verboten, mit Russen in Kredit zu handeln oder russischen Waren auf ihre Schiffe zu nehmen. Mit dem zweiten Verbot wollte die Hanse ihre Monopole im Baltikum verstärken. Die Anzahl der Waren, die der deutsche Kaufmann nach Nowgorod mitbringen und verkaufen durfte, war begrenzt.
Nach dem Anschluss Nowgorods an Moskau bewahrte die Stadt den Status des Hauptpartners der Hanse. Russland verlor somit nicht die Bedeutung als Handelsführers. Erst im 15. Jahrhundert zerbrach die Hanse aufgrund starker Konkurrenz aus England und Holland. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde die Existenz der Hanse endgültig beendet.

Nowgorod und die Hanse von heute:

Der mittelalterliche Verbund der Hansestädte gilt noch immer als Vorbild der modernen "Europäischen Union". Die Hansetraditionen sind auch im 20. und 21. Jahrhundert sehr nützlich und aktuell. Aufgrund dessen wurde im Jahre 1980 die "Neue Hanse" gegründet. Nowgorod vertritt als erste russische Hansestadt die jährlich stattfindenden Hansetage und zeigt die mittelalterlichen Traditionen auf. Im Jahr des 1150. Jubiläums der Stadt, 2009 war Nowgorod der Gastgeber des 29. Internationalen Forum "Hansetage der Neuzeit“ mit dem Slogan „…die Grenzen erweitern“. Das Hauptziel der Neuen Hanse ist die Bewahrung des kulturellen Erbes.