Geschichte: Sankt Petersburg

Peter der Große entschied einem Mythos zur Folge sofort, nach dem ersten Anblick des Sumpfgebietes an der Mündung der Newa in die Ostsee, dass dort seine zukünftige Hauptstadt erbaut werden soll.
Schon lange vor Peter dem Großen siedelten sich in diesem Gebiet die sogenannten finno-ugrischen Einwohner an.
Schweden und Nowgorod kämpften im 14. Jahrhundert um dieses Land. Keine der beiden Großmächte siegte, stattdessen einigten sie sich darauf, dieses Gebiet als Pufferzone zwischen ihren Staatsgebieten anzusehen.

1703 wurde eine ursprünglich von den Schweden erbaute Festung von Peter dem Großen wieder aufgebaut. Es handelte sich dabei um die heutige Peter-Pauls-Festung. Das Jahr ging als Gründungsjahr in die Geschichte Sankt Petersburgs ein.

Ab 1706 rekrutierte Peter der Große tausende von Zwangsarbeitern, um seine neue Hauptsstadt zu erbauen. Jeder Steinmetz, der sich in dieser Zeit mit anderen Aufgaben beschäftigte, als mit der des Aufbaus Sankt Petersburgs, hatte mit hohen Geldstrafen zu rechnen.
Es starben tausende von Leibeigenen an Skorbut, Hunger oder anderen Krankheiten.

Außerdem zwang Peter der Große den Adel in die neuerichtete Stadt zu ziehen. Er befahl den Bau von Häusern, in genau dem Stil, der seiner Meinung nach vertreten sein sollte. Der Adel hatte seine Häuser jedoch selbst zu bezahlen. Der Zar lud viele Architekten und Ingenieure aus Europa ein, die ihm dabei behilflich sein sollten, seine Hauptstadt zum Zentrum der Architektur, der Technik und der Wissenschaft auszubauen.

Nach dem Tod Peter des Großen im Jahr 1725 veranlasste der nachfolgende Herrscher den Umzug der Haupstadt nach Moskau. Erst Zarin Anna kehrte zurück nach Sankt Petersburg und begann unter anderem mit dem Bau des Newski Prospekts.
Sowohl Zarin Elisabeth als auch die Zarin Katharina die Zweite, auch Katharina die Große genannt setzten die Öffnung des Landes in Richtung Westen fort und luden erneut Architekten und vor allem Künstler nach Sankt Petersburg ein.
Neben Peter dem Großen, trug Katharina die Große maßgeblich zur Entwicklung der Bildungseinrichtungen und der Kunst Russlands bei. Sie schuf unter anderem die Balletschule und die Akademie der Künste.

1825 kam es zum Dekabristenaufstand, dem ersten Aufstand adliger Revolutionäre, die den Eid auf den Zaren verweigerten und sich gegen die Leibeigenschaft auflehnten.
Der Aufstand wurde niedergeschlagen. Dennoch wurde 1861 unter Alexander dem Zweiten die Leibeigenschaft in Russland abgeschafft und die Bewegung der Dekabristen führte in etwa ein Jahrhundert später zur Abschaffung des Zarentums.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts häuften sich die Aufstände gegen den Zaren, 1881 wurde der Zar Alexander der Zweite ermordert. In Folge der Revolution von 1905 bis 1907 wurde die zweite Duma, eine beratende Versammlung gebildet. Sie blieb jedoch politisch einflusslos.
Die Revolution im Februar 1917 kennzeichnete den Beginn der Oktoberrevolution im selben Jahr, nach der die russichen Bolschewiki die Macht übernahmen und die Diktaktur der Arbeiter ausriefen. Lenin erklärte daraufhin Moskau wieder zur Hauptstadt.
Nach dem Tod Lenins wurde Sankt Petersburg in Leningrad umbenannt.

Von 1941 bis 1944 belagerten die deutschen Truppen der Wehrmacht Leningrad 900 Tage lang und versuchten die Stadt auszuhungern.
In dieser Zeit starben 3 Millionen Menschen durch die fehlende Versorgung mit Lebensmitteln.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu Machtkämpfen zwischen den Leningrader und den Moskauer Funktionären. In einem waren sie sich jedoch einig: der Wideraufbau Sankt Petersburgs musste zum Prestigeerhalt Russlands in jeden Fall zügig geschehen. Ihnen gelang es die Stadt im neuen Glanze wiederaufzubauen.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991 entschieden sich 54 Prozent der Bevölkerung für die Rückkehr zum ursprüngliche Namen Sankt Petersburg.
Der damalige Bürgermeister Sobtschak sammelte Gegner um sich, um gegen den Putsch gegen Putin zu demonstrieren.
Seit 1999 werden neuen Stadtteile erschlossen, um den Zuwanderern aus den Dörfern Wohnungen zur Verfügung stellen zu können.
Im Jahr 2003 fand die 300 Jahrfeier der Stadt statt. Russland investierte 1-2 Milliarden Euro in die Restaurierung vieler Bauwerke. Das Bernsteinzimmer beispielsweise wurde mit Hilfe einer Spende der deutschen Firma Ruhrgas rekonstruiert.